Mein lieber Herr Gesangsverein!
Gestern durfte ich Zeuge eines wohl etwas außergewöhnlichen Spektakels werden: Wir waren auf eine Taufe in einer Zigeunerfamilie eingeladen.
Nach der Kirche, die überraschenderweise unglaublich kurz ausfiel, haben wir erst mal ein Bierchen in einer Kneipe um die Ecke getrunken, da die Vorbereitungen für die Feier noch nicht abgeschlossen waren. Dann ging es zu den Zigeunern nach Hause. Hier wurde uns (neben weiterem Bier und Wein) Eselsschinken und Eselschorizo serviert. Lecker-lecker kann ich da nur sagen. Dann endlich ging es in das Restaurant wo die eigentliche Feier stattfand.
So viel Essen, wie einem dort serviert wurde kann kein Mensch an einem Tag in sich hineinstopfen. Anfangs wunderte ich mich über die allgemeine Dicklichkeit fast aller Anwesenden. Später erübrigte sich selbige Frage von selbst. Auf der ganzen Feier waren gerade mal 2 Mädels, die nicht total übergewichtig waren - und die waren erst 13-14 Jahre alt. Demnach also zwar schon ihrem Zukünftigen versprochen, aber NOCH nicht verheiratet. Das machen die dann so mit 15/16 Jahren... unglaublich.
Die Essensreihenfolge: Eingangs gab es tellerweise Käse und Schinken etc zum nebenbei picken. Dann kam die Paella... Und was für Portionen die einem da auf den Teller geschaufelt haben. Ich bezeichne mich selbst als doch recht guten Esser, aber von dieser Portion konnte ich noch nicht einmal die Hälfte aufessen. Es war schlichtweg zu viel. Dann kam die Torte. Sahne pur - mit ein paar Früchten. Dann der Kaffee (so konnte das ganze Essen zum Glück ein wenig sacken). Nach einer ca. einstündigen Pause wurde dann der Grill bemüht. Naja. Grill ist vielleicht das falsche Wort. Es wurde in zwei Schubkarren auf dem Hof gegrillt... authentisch eben. Als dann die Vorbereitungen für das Abendessen liefen (ich dachte da eigentlich dass das Grillen bereits das Abendessen war) haben wir uns jedoch verabschiedet und sind zurück in die Stadt gefahren. Den ganzen Tag über wurde gesungen und getanzt und UNGLAUBLICH viel getrunken. Bier war nur für den Einstieg. Die meisten der Anwesenden begannen bereits gegen 12h mit harten Mischgetränken. Achja. Die Feier dauert übrigens an. Die feiern da 3 geschlagene Tage komplett durch. Sprich Montagmorgen ist dann Schicht. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie die das durchhalten...
Beeindruckend war auch der anwesende Gitarrist (Name hab ich vergessen). Der Junge war einfach die Wucht! Der hatte vor ein oder zwei Jahren auch ein Showprogramm im spanischen TV gewonnen - wollte aber aufgrund der Knebelverträge des Senders keine Karriere in dieser Richtung starten. Aber er könnte es ohne Probleme! Ich habe in meiner Ausbildungszeit in der Pfalz einige spanische Gitarristen gesehen, für die die Leute 30 EUR Eintritt (und mehr) gezahlt haben und die Konzerte waren ausverkauft. Der Junge toppt mal locker mindestens die Hälfte der Gitarristen, die ich damals zu sehen bekam. Kein Witz!
Junge ist auch vielleicht das falsche Wort. Er ist so ca. 28-30 Jahre alt. Nur so zur Erklärung.
Nun ja. Auf jeden Fall war es eine sehr aufregende und einzigartige Erfahrung. Mir wurden Einblicke in eine "parallele" Kultur gewährt, die nicht so selbstverständlich sind. Normalerweise bleiben diese Leute unter sich. Lassen niemanden in ihre Gruppe. Heiraten untereinander und schotten sich komplett von der restlichen Bevölkerung ab. Da jedoch Raquels Eltern mit einem der älteren Ehepaare seit über 30 Jahren befreundet sind, wurden wir alle kollektiv mit eingeladen und ich sage hiermit nochmals herzlichst DANKE für die Einladung! Es war echt ein toller Tag!
Sonntag, 22. Mai 2011
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