So, jetzt komme ich endlich mal dazu einen nachträglichen Bericht über das diesjährige feiern in der Trierer Altstadt zu verfassen. Als Leiter der Bühne am Hauptmarkt hatte ich leider gar keine Zeit dieses Fest mit Feierei zu genießen - habe in den paar Tagen ganz im Gegenteil sogar mal eben 51 Stunden malocht.
Nachdem ich Dienstags meine letzte Klausur meiner Studienlaufbahn geschrieben hatte habe ich mich nachmittags direkt auf den Heimweg in den WW gemacht um meine letzten verbliebenen Besitztümer von Trier nach Hause zu fahren. Nachmittags war ich dann noch meinen Opa besuchen, der da gerade aus dem Krankenhaus in ein Seniorenzentrum mit medizinischer Betreuung umverlegt wurde. Er sah hier gar nicht gut aus und irgendwie war mir auch da bereits klar, dass ich ihn wohl nie wieder lebend sehen werde. So nahm ich innerlich Abschied von ihm, was ein sehr trauriger und bewegender Moment war.
Mittwoch wurden dann die letzten Sachen per Auto wie geplant weggebracht, wobei ich dann nachmittags schon wieder im Zug saß zurück nach Trier.
Donnerstagmorgen ging es dann tatsächlich für mich mit dem Altstadtfest los. Erst eine letzte Besprechung im Team und dann ab zu den Plätzen, wo bereits der Aufbau der Bühnen in vollem Gange war. Hier gab es dann bereits einiges zu regeln, so dass aus dem eigentlich freien Donnerstag bereits ein fast kompletter Arbeitstag wurde.
Freitagmorgen wurden die letzten Vorbereitungen getroffen und ab nachmittag dann die offizielle Eröffnung durch den Oberbürgermeister Jensen. Leider gab es sowohl Freitag als auch Samstag jeweils einen heftigen Regenguss von ca. einer halben Stunde, was mir a) viel Arbeit bereitete (panikartiges Unterstellen der Instrumente etc.) und b) nasse Füße bescheerte. Die dieses Jahr eingebuchten Backstagezelte waren die allerletzte Scheiße und so musste ich hier jeweils an jeder Ecke des Zeltes, welches mit 4x4m auch noch zu klein war, die Künstler abstellen um das Wasser vom Dach des Zeltes im 1-3min-Takt zu schubsen, sonst hätte es ein Desaster gegeben. So rückt man näher zusammen, nicht?! ;-)
Ansonsten hatte ich dieses Jahr ein für meinen Geschmack weitaus angenehmeres Programm auf der Hauptmarktbühne und VIEL weniger auftretende Acts, was es weitaus angenehmer und stressfreier machte als letztes Jahr.
Vieles ist aufgrund unprofessioneller Planung im Vorfeld leider nicht so toll gelaufen, was aber an entsprechende Stelle bereits kommuniziert wurde und nicht Teil meines Blogeintrages wird (würde auch die Länge des Posts unglaublich ziehen...).
Erschwert wurde für mich die Arbeit zudem durch meinen immer noch ledierten Fuß. Täglich ca. 15km humpeln ist nicht gerade zuträglich zur Abheilung und so habe ich jetzt immer noch leichte Beschwerden. Diese werden zwar täglich besser, dürften meinem Geschmack nach aber mal so langsam verschwinden...
Sonntag kam dann der Anruf von meiner Mutter. Sie teilte mir mit, dass die Ärzte meinem Opa keine 36 Stunden mehr geben und ich doch besser einen Flug für Ende der Woche buchen soll. Das haben wir dann auch gemacht und für schlappe 150 EUR einen einzelnen Rückflug nach Spanien für Freitag, also heute gebucht.
Ich hatte Raquel schon informiert, dass ich Mo doch nicht nach Hause komme. Dann kam der zweite Anruf von meiner Mutter am Montagmorgen. Fehlalarm. Es wäre wohl doch nicht so schlimm und er atmet wieder normal und friedlich - ich könne also beruhigt doch den Flug am Nachmittag nehmen und zurück nach Toledo fliegen.
Das habe ich dann auch gemacht. Klar, wenn es heißt, dass er die Woche wohl überlebt, meine Eltern eh nicht da sind und ich sonst nur in D rumgehangen hätte - zumal ich mich mit meinem Fuß endlich mal auskurieren wollte, dann sprach ja auch nichts dagegen.
Dienstag kam dann der nächste Anruf von meiner Mutter...
Damit ist diesen Dienstag, den 30.06.2009 einer der großartigsten Menschen, die ich in meinem Leben bisher kennenlernen durfte von uns gegangen.
Mein Opa war ein Mensch des öffentlichen Lebens, Ehrenmitglied unzähliger Vereine, der örtlichen CDU, des Kirchen- und Stadtrates, der Kolpingfamilie, Träger des Bundesverdienstkreuzes, geliebter Familienvater von fünf Kindern, Bruder einer noch lebenden Schwester und 15 Enkeln und bis jetzt 4 Urenkeln und und und.
Ich habe als Kind und Jugendlicher viel Zeit bei meinen Großeltern verbracht. Oft, wenn meine eigenen Eltern unterwegs waren, dort übernachtet.
Dann haben sie mir immer Geschichten aus ihrer Jugend und von früher erzählt. Teilweise noch von den vorangegangenen Generationen. Mit großen Augen und innerlich die Bilder der Geschichte vor Augen lauschte ich dann, lachte mit ihnen und fühlte mich geborgen bis mich der Schlaf überkam. Viele, ja eine Unmenge an Erinnerungen, die ich in den letzten Tagen habe revue passieren lassen veranlassen mich immer wieder zu lächeln. Es gibt so viele Anekdoten, lustige Zwischenfälle und schöne Momente und Feiern im Hause meiner Großeltern. Diese aufzuschreiben würde wahrscheinlich schon ein ganzes Buch füllen. Mein Opa hat mir vor nicht allzulanger Zeit erlebt, dass er seine Memoiren auf Ton aufgesprochen hat. Ich werde versuchen diese zu bekommen und eines Tages komplett niederzuschreiben.
Zum Schluss hatte er viele Schmerzen und sehr an Kraft verloren. Ich habe mich für ihn gefreut, dass er dann ganz friedlich am Dienstagmorgen entschlafen ist ohne weiter zu leiden. Und ich bin auch dem Zufall dankbar, die Gelegenheit gehabt zu haben mich von ihm verabschieden zu können! Die Beerdigung gestern habe ich jetzt leider verpasst, was mich auch sehr unglücklich stimmt. Doch überwiegt mir der persönliche Abschied, den ich, auch wenn ich jetzt und generell in meinem Blog über solche Sachen oft sehr ausführlich spreche, hier nicht ausführen will und kann.
In aufrichtiger Liebe und mit tiefer Trauer über den Verlust verabschiede ich mich von Dir, lieber Opa Otto Balmert! Ruhe in Frieden!
Dein Holger
Freitag, 3. Juli 2009
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